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Doctors and Nurses of colour

10.06.20 22:23

Das Thema Rassismus in Medizin und Pflege ist bis heute nicht im kollektiven Bewusstsein angelangt. Die aktuelle Debatte zu Black Lives Matter könnte vielleicht etwas daran ändern. So wie im Rest der Gesellschaft gibt es auch im Gesundheitswesen viele Formen von Abwertung, Benachteiligung und Ausgrenzung, die sich auf die Hautfarbe von Menschen beziehen. Wer noch nie selbst Erfahrung mit Rassismus gemacht hat, bekommt davon wenig mit und geht oft davon aus, dass wir in einer toleranten, multikulturellen Gesellschaft leben, in der Rassismus nicht vorkommt. Das ist ein Trugschluss. Jede Gesellschaft kennt Vorurteile, die sich in offenem oder ganz subtilem Rassismus zeigen. Rassismus muss, genau wie Sexismus, immer wieder bewusst gemacht, reflektiert und aktiv bekämpft werden.

"Die Schwarze soll mich nicht behandeln"

Unter der Überschrift „Die Schwarze soll mich nicht behandeln“ hat Dr. Elke Ruchalla in der Medical Tribune die Inhalte zweier US Studien zusammengefasst, die rassistisches und sexistisches Verhalten von Patienten gegenüber ÄrztInnen untersucht haben. Eine der Studien, an der insgesamt 50 MedizinerInnen teilnahmen, zeigt, dass viele Betroffene zunächst gar nicht wissen, wie sie mit einem rassistischen Übergriff umgehen sollen. Man verlangt von ihnen als Pflegekraft, Ärztin oder Arzt, dass sie sich jeglicher Kritik an Patienten enthalten. Erschwerend kommt dazu, dass sich das direkte Umfeld wenig solidarisch verhält - und wenn es nur aus Unsicherheit ist. Anstatt eine KollegIn gegen einen Übergriff zu verteidigen, wird laut Studie oft weggeschaut, oder – noch schlimmer – gegrinst, und das ist entwürdigend. Viele Frauen haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie sind oft erst einmal sprachlos, wenn sie zum Ziel eines unerwarteten sexistischen Übergriffs werden. Und genauso schwierig ist es, spontan und adäquat auf einen rassistischen Übergriff zu reagieren.

Menschen, die rassistischen Übergriffen ausgesetzt sind, fällt es folglich schwer, sich dagegen zu wehren. Sie finden sich mit der Situation ab und treten den inneren Rückzug an. Dr. Lisa A. Cooper vom Department of Medicine an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore und ihre Kollegen überrascht das Ergebnis der Studie nicht. Für sie ist das Gesundheitswesen ein Mikrokosmos der Gesamtgesellschaft und da sind rassistische und sexistische Vorurteile eben auch weit verbreitet.

Altenpfleger John gerät wegen seiner Hautfarbe in den Verdacht, ein Dealer zu sein

Die Journalisten Marcel Aburakia und Malcolm Ohanwe haben in ihrem Podcats "Kanackische Welle" und hier in der Folge Racial Profiling bewegende und schockierende Erfahrungsberichte von Menschen mit schwarzer Hautfarbe zusammengegetragen. In einem Beispiel wird ein Altenpfleger, der wie jeder andere Altenpfleger auch ganz normal seine Tour mit dem Elektrobike abfährt, in ziemlich brutaler Weise von Polizisten wie ein Schwerverbrecher behandelt. Ein Ereignis in seinem Leben, das ihn nicht nur sprachlos macht, sondern nachhaltig so verstört, dass er kaum darüber sprechen kann. Dieser Podcast hält sehr viele Beispiele bereit, die zeigen, wie schnell Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe ins Visier der Polizei geraten.

Ein Hamburger Chirurg hält uns den Spiegel vor

Auch Umeswaran Arunagirinathan, ein Hamburger Chirurg mit tamilischen Wurzeln, musste sich immer wieder rassistische Bemerkungen von PatientInnen gefallen lassen. Als 12 jähriger wurde er von seinen Eltern Schleppern anvertraut, um den Bürgerkriegswirren in Sri Lanka zu entkommen und einmal ein besseres Leben in Deutschland zu haben. Obwohl er bestens integriert ist hat auch er Erfahrungen mit Patienten gemacht, die ihn schon mal für den Putzmann halten und seine Fachkompetenz als Arzt auf Grund seiner Hautfarbe in Frage stellen.

Dass er diesem Rassismus trotzdem mit freundlicher Gelassenheit und noch größerer Toleranz begegnet, sollte uns nachdenklich machen und unser Bewusstsein für die Situation unserer KollegInnen, FreundInnen und NachbarInnen mit anderer Hautfarbe schärfen. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Frauen in nahezu allen Bereichen gleichgestellt wurden. Vielleicht gelingt es ein wenig schneller, den tief verankerten Rassismus zu bekämpfen und dazu beizutragen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist – und zwar völlig unabhängig von der Hautfarbe.

Shortlink zum sharen des Beitrags:

 

Lesen Sie auch:

kiia – Befragung von Krankenhausärzten m/w/d mit interkulturellem Hintergrund

Studie: Diskriminierungsrisiko in Stellenanzeigen

 

Weiterführende Links:

https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/die-schwarze-soll-mich-nicht-behandeln-rassistisches-und-sexistisches-verhalten-von-patienten-macht/

https://www.zeit.de/2017/47/rassismus-arzt-patienten

https://www.aerzteblatt.de/archiv/65101/Der-Weltenlaeufer-Umeswaran-Arunagirinathan-Arzt-in-Weiterbildung

Kanackische Welle

Ulrike Röse-Maier

Ulrike Röse-Maier, Geschäftsführerin von Media Consult Maier + Partner GmbH, ist Expertin für alle Themen rund ums Recruiting und Employer Branding im Gesundheitswesen.

Im Blog berichtet sie über aktuelle Entwicklungen im Gesundheitsarbeitsmarkt. „Durch den Fachkräftemangel und durch die völlig veränderte Medienlandschaft werden Arbeitgeber vor neue Herausforderungen gestellt. Das erfordert nicht nur innovativere Formen des Personalmarketings als bisher, sondern wird auch die Entwicklung von Unternehmenskulturen nachhaltig beeinflussen. Die Ansprüche der Generation Z, New Work und Digitalisierung des Recruiting stehen daher ganz oben auf unserer Beratungsagenda.”

Ulrike Röse-Maier hat Politikwissenschaften, Personal-/Organisationsentwicklung und Wirtschaftspsychologie studiert, ist zertifizierte Gesundheitsökonomin und hat einen Masterabschluss im Bereich Human Resources Management. Von November 2011 bis Juni 2014 führte sie im Rahmen des E-Learning-Angebots der Quadriga Executive Education als Referentin für das Online-Studium „HR und Social Media Management” verschiedene Module zu Social Recruiting durch. In ihrer Studie „kiia – kulturell integrative integration ärztlicher Teams in Krankenhäusern“ gibt sie Handlungsempfehlungen für die Integrationsarbeit in interkuturellen Ärzteteams.
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Die Spannweite von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern über Pflegekräfte bis hin zu Ärztinnen und Ärzten ist groß. Unser für die Zielgruppen nutzenstiftendes Angebot ist:

„Das Gesundheitswesen ist ein ganzheitlicher Organismus. Alle Teile greifen ineinander. Wir sorgen dafür, dass die jeweilige Position mit dem passenden Menschen besetzt wird. Hierdurch erreichen wir die größtmögliche Zufriedenheit bei unseren Zielgruppen."